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Gletschersterben: Eisfreie Alpen sind kein Zukunftsszenario mehr

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Aletsch Gletscher

 

Eine neue Untersuchung der ETH Zürich und der Schweizer Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) liefert handfeste Zahlen dazu, wie stark die Gletscher der europäischen Alpen im Zuge der Klimaerwärmung schmelzen werden. Es sind keine guten Aussichten.

Je nach Szenario werden die Alpen bis zum Jahr 2100 demnach fast vollständig eisfrei sein. Nur ein Drittel des Eisvolumens könnte noch gerettet werden.

Fest stehe demnach, dass zwischen 2017 und 2050 etwa 50 Prozent des Gletschervolumens verschwinden werde – und zwar weitgehend unabhängig davon, wie stark der Treibhausgas-Ausstoß reduziert werde, teilt die EWSL mit. "Nach 2050 wird die zukünftige Entwicklung der Gletscher stark davon abhängen, wie sich das Klima entwickelt", sagt Studienleiter Harry Zekollari, Forscher an der ETH Zürich und der der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. "Fällt die Erwärmung weniger stark aus, könnte ein weitaus größerer Teil der Gletscher gerettet werden", sagt er.

Unter einem moderaten Erwärmungsszenario würden die Gletscher bis 2100 etwa zwei Drittel ihres heutigen Eisvolumens verlieren. Bei einem Szenario mit starker Erwärmung wären die Alpen bis 2100 weitgehend eisfrei. Diese aktuellen und detaillierten Schätzungen über die Zukunft der rund 4000 Alpengletscher stellen drei Forscher WSL und der ETH Zürich an der Generalversammlung 2019 der European Geosciences Union (EGU) in Wien vor.

Der Gletscherrückgang hätte laut WSL große Auswirkungen auf die Alpen, da die Gletscher ein wichtiger Teil des Ökosystems, der Landschaft und der Wirtschaft der Region sind. Sie locken Touristen ins Gebirge und dienen als Trinkwasserreservoirs. Gletscher liefern Wasser für Fauna und Flora sowie für Landwirtschaft und Wasserkraft, was besonders in warmen und trockenen Perioden wichtig ist.

Wie Eis fließt und schmilzt

Um herauszufinden, wie es den alpinen Gletschern in einer sich erwärmenden Welt ergehen würde, verwendeten Zekollari und seine Co-Autoren zum einen ein neues Computermodell, welches Eisströmungs- und Schmelzprozesse kombiniert. Zum anderen untersuchten sie anhand von Beobachtungsdaten, wie sich die Eismassen unter verschiedenen Zukunftsszenarien der Treibhausgas-Emissionen verändern würden. Als Referenz für die Gegenwart verwendeten sie das Jahr 2017, als die Alpengletscher ein Gesamtvolumen von rund 100 Kubikkilometern aufwiesen – das entspricht etwa dem Wasserinhalt des Genfersees.

Unabhängig vom Szenario werden demnach die Alpen bis 2050 rund die Hälfte ihres heutigen Gletschervolumens verlieren. Ein Grund ist, dass sich die Zunahme der Treibhausgase erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts merkbar auf die globale Mitteltemperatur auswirken werde. Ein weiterer Grund ist, dass Gletscher derzeit «zu viel» Eis haben: Ihr Volumen, insbesondere in niedrigeren Lagen, spiegele immer noch das kältere Klima der Vergangenheit wider, da Gletscher nur langsam auf Klimaänderungen reagierten. "Selbst wenn es uns gelingt, die Erwärmung des Klimas weiter zu stoppen und es auf dem Niveau der letzten 10 Jahre zu halten, würden die Gletscher aufgrund dieser ‘Gletscherreaktionszeit’ bis 2050 immer noch etwa 40 Prozent ihres heutigen Volumens verlieren", sagt Zekollari, der mittlerweile an der Delft University of Technology in den Niederlanden arbeitet.

"Die Gletscher in den europäischen Alpen und ihre jüngste Entwicklung gehören zu den deutlichsten Anzeichen für die anhaltenden Klimaänderungen", sagt Daniel Farinotti, Assistentsprofessor an der ETH Zürich und der WSL. "Die Zukunft der Gletscher ist zwar gefährdet, aber es ist noch möglich, die Verluste zu begrenzen." Die Resultate wurden in der Zeitschrift The Cryosphere der European Geosciences Union (EGU) veröffentlicht.

https://www.egu.eu
https://www.wsl.ch/
https://www.the-cryosphere.net/13/1125/2019

Bild: https://pixabay.com/de/photos/grosser-aletschgletscher-gletscher-2808275/