Oberbayern Echt Digital – eCoaches bauen digitale Kompetenz im Tourismus auf

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Oberbayern Echt Digital – eCoaches bauen digitale Kompetenz im Tourismus auf

 

Digitalisierung im Tourismus muss nicht kompliziert sein – wenn die richtige Unterstützung da ist. Ingrid Dietl, Projektmanagerin „Oberbayern Echt Digital" beim Tourismus Oberbayern München e.V., gibt im Interview mit destinetCHANGE Einblicke in das eCoach-Programm – und erklärt, warum Beratung auf Augenhöhe für kleine Betriebe in Oberbayern so entscheidend ist.

Digitalisierung ist längst kein Trendthema mehr – sie ist Arbeitsrealität. Gerade in Oberbayern, wo eine große Bandbreite kleiner Anbieter – von der Ferienwohnung bis hin zur Pension – den Charme des ländlichen Urlaubserlebnisses ausmacht, bleibt der digitale Alltag für viele Gastgeber:innen und Freizeitanbieter eine echte Herausforderung: Wie gelingt es, Google-Sichtbarkeit zu verbessern, Online-Buchbarkeit einzurichten oder Künstliche Intelligenz sinnvoll im Betrieb einzusetzen – ohne große Ressourcen und ohne eigene IT-Abteilung?

Der Tourismus Oberbayern München e.V. (TOM e.V.) hat darauf eine klare Antwort entwickelt: das eCoach-Programm. Im Rahmen der Digitalisierungsoffensive „Oberbayern. Echt Digital" werden touristische Fachkräfte aus der Region zu digitalen Botschafter:innen ausgebildet – praxisnah, vernetzt und auf Augenhöhe. Als eCoaches beraten sie anschließend kostenfrei Betriebe, Tourist-Informationen und Destinationsorganisationen in allen Regionen Oberbayerns.

Inzwischen hat das Programm seine dritte Runde absolviert: Im Februar 2026 wurden auf der Münchner Reise- und Freizeitmesse f.re.e 18 Absolvent:innen der eCoach-Akademie 3.0 ausgezeichnet – in drei Qualifizierungsstufen: eCoach Basics, eCoach Experts und eCoach Master. Seit dem Start 2019 ist so ein regionsweites Netzwerk digitaler Kompetenzträger:innen gewachsen.

Die Akademie selbst verbindet E-Learning-Module auf der Plattform „Tourismuswissen Oberbayern", interaktive Präsenz-Workshops und individuelle Praxisprojekte – ergänzt durch einen KI-Chatbot zur Wissensvertiefung. Renommierte Partner wie Booking.com und die Hochschule München bringen dabei wertvolle Impulse aus der Praxis ein – so ermöglichte etwa der direkte Austausch mit Masterstudierenden der Fakultät für Tourismus inspirierende Synergien zwischen Wissenschaft und touristischem Alltag.

Doch die Akademie ist nur ein Baustein: Die eCoaches sind auch untereinander stark vernetzt. Regelmäßige Stammtische, regionsübergreifende Engagements wie 1:1-Coachings auf Tourismustagen, themenbezogene Innovations-Labs und gemeinsame Roadshows gehören fest zum Programm.

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Tanja Faltin von destinetCHANGE hat Ingrid Dietl, die Projektmanagerin von „Oberbayern Echt Digital", am 28. April 2026 zum Interview getroffen – und nachgefragt, was das eCoach-Programm so besonders macht, welche Hürden es zu überwinden gilt und wohin die Reise 2026 weitergeht.

Tanja Faltin: Du begleitest das eCoach-Programm schon seit den Anfängen. Wenn du zurückschaust: Was waren damals die drängendsten Themen für die Betriebe – und was hat sich bis heute verändert?

Ingrid Dietl: Ich war nicht ganz von Anfang an dabei, aber habe das Programm ziemlich früh übernommen. 2019 war Digitalisierung für viele Betriebe und Tourismusorganisationen noch eine echte Herausforderung – viele haben die Notwendigkeit überhaupt noch hinterfragt. Heute sind wir mittendrin: Digitalisierung ist längst selbstverständlich, man kommt gar nicht mehr daran vorbei.

Tanja Faltin: Was sind heute die zentralen Themen in der eCoach-Beratung?

Ingrid Dietl: Die Kernthemen sind geblieben: Online-Buchbarkeit, Sichtbarkeit, die eigene Website, Google My Business, Bewertungsmanagement, und Social Media. Vor allem kleine Betriebe, wie Privatvermieter und auch Freizeitbetriebe brauchen hier noch Unterstützung. In den letzten zwei Jahren ist KI ein absolutes Top-Thema geworden – unumgänglich, weil es mit allen Bereichen des Online-Marketings verknüpft ist.

Darüber hinaus sind die eCoaches längst mehr als Einzelberater: Mit Impulsvorträgen bei Veranstaltungen und ihrer wichtigen Rolle innerhalb der Tourismusorganisationen treiben sie die digitale Transformation aktiv voran.

Tanja Faltin: Wie gehen die eCoaches mit dem Thema KI um – und wie bereiten sie sich darauf vor?

Ingrid Dietl: Die eCoaches haben in ihrer Ausbildung fundiertes KI-Wissen erworben und setzen es täglich in ihrer eigenen Arbeit ein. In der Beratung zeigen sie den Betrieben zum Beispiel, wie sie ihre Webseite mit KI analysieren, Texte erneuern oder Bewertungsantworten professionell und zeitsparend gestalten lassen können.

Daneben haben wir einen komplett neuen Digital-Check entwickelt – KI-basiert. Die eCoaches nutzen diesen Digital-Check in der Betriebsberatung: Anhand verschiedener Kriterien – teils über die Webseite des Betriebs, teils im direkten Dialog vor Ort – entsteht eine fundierte Auswertung. Die eCoaches kennen so schon vor dem Besuch den digitalen Status des Betriebs. Vor Ort können sie die Bewertung durch offene Fragen im Gespräch mit dem Gastgeber noch ergänzen. Aus dem Digital-Check folgen dann konkrete Handlungsempfehlungen. Der eCoach ist dabei der entscheidende Filter: Was braucht der Betrieb wirklich? Worauf soll er sich konzentrieren? Das ist die ideale Kombination aus KI und Mensch.

Tanja Faltin: Wenn ich als Betrieb Interesse habe – wie finde ich meinen eCoach, und ist das kostenlos?

Ingrid Dietl: Ja, für die Betriebe ist es kostenlos. Die eCoaches sind auf der Website von Tourismus Oberbayern zu finden, auf einer interaktiven Landkarte unter „Wo ist mein eCoach?" – inklusive Profil und Kontaktdaten. Außerdem sind sie in den Tourismusorganisationen ihrer Regionen als vertraute Ansprechpartner bekannt – sei es für Gastgeber, touristische Themen, Buchungssysteme oder Online-Marketing. Nach jeder Zertifizierung werden sie aktiv kommuniziert – in Newslettern, in der Signatur und über Pressebeiträge.

Als Betrieb kann man einfach auf den eCoach zugehen und sagen: „Ich habe Interesse." Dann gibt es einen ersten Termin – online, telefonisch oder persönlich. Dabei macht man oft direkt einen Digital-Check oder schaut gemeinsam, was der Betrieb braucht. Und das ist oftmals kein einmaliger Kontakt: Langjährige Betriebe sind seit Jahren regelmäßig mit ihrem eCoach in Kontakt, fragen nach Neuigkeiten und setzen gemeinsam neue Schritte um.

Tanja Faltin: Gibt es Betriebe, bei denen du eine echte Transformation beobachtet hast – die das eCoach-Programm genutzt haben, um sich über die Jahre weiterzuentwickeln?

Ingrid Dietl: Ja, absolut. Ein schönes Beispiel ist eine Ferienwohnungsanbieterin aus Lenggries, die wir beim letzten eCoach Day als Best Practice auf die Bühne geholt haben. Sie wird seit Jahren von eCoach Holger Lortz begleitet, war von Anfang an dabei und hat dort aus ihrer Rolle heraus berichtet – wie die Verbesserungen schrittweise kamen, wie das läuft und wie das Verhältnis mit dem eCoach aussieht. Sobald sie online buchbar war, kamen auf einmal die Buchungen – ohne großen Mehraufwand. Online-Buchbarkeit, Sichtbarkeit, die richtige Listung bei Online-Portalen – das alles hat sich Schritt für Schritt aufgebaut. Das ist genau der Mehrwert, den wir uns wünschen.

Tanja Faltin: Wer kann eCoach werden – und wie bewirbt man sich?

Ingrid Dietl: eCoaches sind Mitarbeitende von Tourismusregionen oder -vereinigungen, die Mitglied bei Tourismus Oberbayern München e.V. sind. Die Regionen entscheiden, wen sie in die Ausbildung schicken. Wer Interesse hat, meldet sich über seine Region oder direkt bei Tourismus Oberbayern.

Tanja Faltin: Nicht alle Regionen sind mit eCoaches versorgt – wie geht ihr damit um?

Ingrid Dietl: Es stimmt, dass vor allem die touristisch weniger starken Regionen bisher keinen eigenen eCoach haben. Für diese Fälle gibt es eine Lösung: Anfragen werden über das eCoach-Netzwerk abgedeckt. Es gibt eCoaches, die auch überregional beraten und bereit sind, Betriebe aus anderen Regionen zu unterstützen.

Tanja Faltin: Insgesamt 18 eCoaches für 14 Regionen – wie gelingt es, sie langfristig zu motivieren und dabei zu halten?

Ingrid Dietl: Die Ausbildung selbst ist schon sehr attraktiv gestaltet: 10 Termine, davon 6 in Präsenz. Das Programm der eCoach-Akademie 3.0 wurde gemeinsam mit den österreichischen Experten von Servus Tourismuspartner OG didaktisch entwickelt und umgesetzt. Die Aus- und Weiterbildung berücksichtige drei verschiedene Wissensstufen, für Neue und für Erfahrene. 

Es gab Pflicht- und freiwillige Termine, Besuche bei Booking.com, an der Hochschule München und einen Interreg-Austausch in Passau. Dazu Partner-Tandems, bei denen erfahrene eCoaches als Mentoren für Neue fungierten.

Ein weiteres Highlight der Akademie 3.0: Die eCoaches konnten sich für die Ausarbeitung eines eigenen Praxisprojekts entscheiden und es individuell gestalten. Die Arbeit in Tandems und die Praxisnähe machen das Programm besonders sinnvoll und lebendig – und sorgen dafür, dass das Gelernte direkt in der Region wirkt. So sind durch die eCoaches bereits hervorragende, individuelle und praxisorientierte Lösungen für die Regionen entstanden. Ein Beispiel dafür: Die zwei eCoaches der Region Starnberg Ammersee, Melanie Gunzelmann und Alexandra Sichart, erarbeiteten eine eigene Service-Plattform für Gastgeber – mit Checklisten, Vorlagen und Schritt-für-Schritt-Erklärungen rund um Vermietung, Online-Präsenz und Social Media.

In der Ausbildung schätzen die eCoaches vor allem den individuellen Austausch und die gegenseitige Unterstützung. Co-Creation und Mitgestaltung werden aktiv gelebt und sind fester Bestandteil des Programmes. Und auch nach der Ausbildung geht es weiter:  Online-Stammtische, überregionale Netzwerkveranstaltungen und der eCoach Day – ein Highlight, bei dem alle eCoaches zusammenkommen, Praxisbeispiele teilen und Live-Coaching für Gastgeber anbieten.

Tanja Faltin: Welche digitalen Trends werden das eCoach-Programm in den nächsten Jahren prägen?

Ingrid Dietl: KI ist eindeutig das bestimmende Thema – für die Organisationen selbst, aber auch für die Betriebe. Für kleinere Betriebe bleiben die klassischen Themen wichtig, aber KI spielt überall mit rein. Darüber hinaus kommt der Qualität der Daten eine hohe Relevanz zu. Sollten die Buchungen zurückgehen, ist zu erwarten, dass Betriebe, die sich bisher wenig darum gekümmert haben, umso mehr auf die eCoaches zukommen.

Tanja Faltin: Was treibt dich persönlich an, dieses Programm voranzubringen?

Ingrid Dietl: Es liegt in meiner Natur Menschen voranzubringen, Netzwerke zu schaffen, Begegnungen zu ermöglichen und Entwicklung anzustoßen. Das eCoach-Netzwerk ist dafür eine hervorragende Möglichkeit. Die Zusammenarbeit mit so vielen wunderbaren und unterschiedlichen Menschen – den Betrieben, den eCoaches und dem TOM-Team – macht dabei ganz besondere Freude.

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Das eCoach-Programm zeigt, wie Digitalisierung im Tourismus wirklich funktionieren kann – nah dran, auf Augenhöhe und mit echtem Mehrwert für die Region. Vielen Dank, Ingrid, für das Gespräch!

Mehr Informationen zum eCoach-Programm und zur Digitalisierungsoffensive „Oberbayern. Echt Digital":

Kontakt zu Ingrid Dietl:

Tel.: (0) 89 638 958 79-14

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© Titelbild: Markus Brönner

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