Neuer Praxisleitfaden zur Professionalisierung sächsischer Touristinformationen

am . Veröffentlicht in Future.TI: Blog zur Zukunft der Tourist Information

leitfaden sachsenDer Landestourismusverband Sachsen hat ein neues Handlungskonzept für Touristinformationen vorgestellt.

Im Rahmen einer dreijährigen Initiative nimmt er im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) alle Informationseinrichtungen unter die Lupe und erarbeitet Empfehlungen mit dem Ziel der „Professionalisierung sächsischer Touristinformationen“. Erste Zwischenergebnisse stellte der Verband jetzt in Dresden vor. Bei der Durchführung des Projektes wurde der Landestourismusverband von der BTE Tourismus- und Regionalberatung unterstützt.

„Von 1991 bis 2015 hat sich die Zahl der Gästeankünfte in Sachsen mehr als verdreifacht. Dieser Erfolg resultiert aus einer guten und verlässlichen Zusammenarbeit von Wirtschaft, Kommune und Politik. Dabei sind Touristinformationen ein wichtiges Bindeglied für die Gemeinschaft der Akteure. Sie sind Multiplikatoren und zugleich Schaufenster in die Region. Deshalb ist es uns ein wichtiges Anliegen, ihre Arbeit zu unterstützen“, sagt LTV-Präsident Dr. Matthias Rößler MdL.

Erkenntnisse der Analyse

Mit 224 Touristinformationen gibt es demnach in mehr als der Hälfte aller sächsischen Kommunen (431) eine Anlaufstelle für Gäste. Diese Zahl trage der wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus in Sachsen Rechnung. In den Touristinformationen engagieren sich 422 Mitarbeiter für das Urlaubserlebnis der Gäste. Von denen nähmen 3,2 Millionen pro Jahr das Angebot in Anspruch. Zusätzlich würden 360.000 Telefonate und 180.000 E-Mails pro Jahr beantwortet. Hinzu kämen weitere, wie die Entwicklung von Angeboten, die Zusammenarbeit mit Leistungsträgern oder die Funktion als Impulsgeber für Trends im Ort. Nicht zuletzt seien die Touristinformationen auch Schnittstelle in der Region und arbeiteten mit den regionalen Tourismusverantwortlichen zusammen.

Service: Freundlich und kompetent

Die Freundlichkeit der Mitarbeiter und der Service vor Ort wurde durchweg positiv bewertet. Dazu trügen auch die Öffnungszeiten bei. 96 Prozent der Einrichtungen gewährleisteten dabei ganzjährige Öffnungszeiten. Mehr als ein Viertel der Informationsstellen stünden ihren Gästen täglich mit Rat und Tat zur Seite, zwei Drittel der Touristinformationen böten an vier bis sechs Tagen einen Gästeservice an.

"Luft nach oben" beim digitalen Angebot

Potenzial zeige sich dagegen bei der Ausschilderung der Touristinformationen und in den digitalen Angeboten. Nur ein Fünftel der Einrichtungen habe eine Website, die für mobile Endgeräte, wie Smartphone oder Tablet, optimiert sei (23 Prozent). Auch nur 23 Prozent der Touristinformationen verfügten über ein Infoterminal, an dem sich Gäste selbstständig Informationen einholen könnten.

Damit die Markt- und Leistungsfähigkeit der sächsischen Touristinformation verbessert werden kann, hat der LTV SACHSEN Empfehlungen für die Weiterentwicklung abgeleitet und in einem Handlungskonzept zusammengefasst. „Mit 47 konkreten Maßnahmen geben wir den Touristinformationen Empfehlungen für ihre tägliche Arbeit an die Hand. Diese zielen u.a. auf die Qualifizierung der Mitarbeiter sowie die Optimierung der Ausstattung sowie des Angebotes ab. Darüber hinaus geht es auch um Organisation und Finanzierung“, erläutert LTV-Präsident Dr. Matthias Rößler.

Um den gestiegenen Anforderungen in Bezug auf Leistung, Service und Qualität gerecht zu werden, brauche es eine solide Finanzierung touristischer Aufgaben in den Kommunen. Der LTV SACHSEN setzt sich für die Instrumente der Kurtaxe und Fremdenverkehrsabgabe ein. Im Rahmen der Analyse habe sich gezeigt, dass für eine optimale Ausstattung der TIs ein Budget von mindestens 100.000 Euro für Sach- und Personalkosten sowie zwei Vollzeitäquivalente zzgl. Counterbetrieb benötigt werde. Daneben gibt es die Empfehlung, Netzwerke aufzubauen, um die Aufgaben gemeinsam zu bewältigen. Organisation und Strukturen müssten optimiert werden.

Ein gutes Beispiel für die interkommunale Zusammenarbeit stelle das i-Netzwerk Sächsische Schweiz des Tourismusverbandes dar. Daran beteiligen sich bisher 12 Touristinformationen. Diese haben die Möglichkeit, einzelne Aufgaben an das Netzwerk zu übertragen, z. B. die Klassifizierung von Ferienwohnungen oder die Durchführung und Auswertung von Gästebefragungen.

Auch in der Digitalisierung sieht der LTV-Präsident Chancen: „Die Nutzung mobiler Medien nimmt zu. Gästeservice muss hinsichtlich des digitalen Angebotes in den Touristinformationen neu gedacht werden. Vor allem außerhalb der Geschäftszeiten bieten Infoterminals & Apps eine gute Möglichkeit der Gästeinformation. Beim notwendigen Ausbau von Breitband und WLAN-Hotspots unterstützt die Digitale Offensive des Freistaates Sachsen."

Bis Ende 2016 will der LTV SACHSEN die Ergebnisse in den Tourismusregionen vorstellen, die Handlungsfelder mit den Kommunen und den Touristinformationen diskutieren.

www.ltv-sachsen.de

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