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Bremen hat den Blues: Schwaches Jahr 2012

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Bremen hat im Jahr 2012 im Vergleich mit anderen städtetouristischen Destinationen erheblich an Marktanteilen verloren.

Die Zuwachsraten der vergangenen Jahre konnten in Bremen im Jahr 2012 nicht erreicht werden. Zwar wurde die bisherige Rekordmarke bei den Übernachtungen knapp übertroffen. So verzeichneten die Stadtbremer Beherbergungsbetriebe mit 1.556.658 Übernachtungen ein Plus von 0,1 Prozent, das seien etwa 2.000 Übernachtungen mehr als im Rekordjahr 2011. Doch im Vergleich mit anderen Städten ist dies ein katstrophales Ergebnis.  Im Land Bremen zählte das Statistische Landesamt sogar nur 1.916.281 Übernachtungen  und damit ein minus von 0,7 Prozent.

„Das Bremer Gastgewerbe hat sich insgesamt stabil gezeigt“, glaubt dennoch Senator Martin Günthner. Details zu touristischen Zahlen und Daten berichtete Dr. Andreas Cors, Abteilungsleiter Wirtschaft beim Statistischen Landesamt Bremen. Besonders signifikant traten demnach im Jahre 2012 die Monate August und Oktober hervor. Im August verzeichnete das Statistische Landesamt ein Minus von 7,7 Prozent, das vermutlich zu einem Großteil auf die einwöchige Schließung des Flughafens zurückzuführen sei, dessen Landebahn im Sommer komplett saniert wurde. Der Oktober war hingegen mit 153.667 Übernachtungen der Monat mit den meisten Übernachtungen, die jemals in Bremen verzeichnet wurden, dicht gefolgt vom September, der ebenfalls zu einem der besten Monate überhaupt zählt.

Von den etwa 1,6 Millionen Übernachtungen kamen drei Viertel der Gäste aus Deutschland. Wichtigster Quellmarkt im Ausland war Großbritannien mit 34.409 Übernachtungen. An Platz zwei folgten die Niederländer (31.807 Übernachtungen). An Platz drei standen die USA (22.821 Übernachtungen), dicht gefolgt von Frankreich (21.226 Übernachtungen) und Norwegen (19.422 Übernachtungen). Obwohl einzelne Märkte stark zunahmen, die USA beispielsweise plus 15,9 Prozent, sanken die Übernachtungen aus dem Ausland insgesamt um 1,3 Prozent.

Die durchschnittliche Übernachtungsdauer aller Gäste in gewerblichen Beherbergungsbetrieben lag 2012 wie auch schon im Vorjahr bei 1,7 Übernachtungen. Und obwohl die Zahl der Hotels und Betten in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen sei, blieb die Bettenauslastung mit 43 Prozent gleich wie in den vergangenen Jahren, so Dr. Cors. 2012 zählte das Statistische Landesamt 87 Hotels mit insgesamt 9.268 Betten. Zum Vergleich: 2003 waren es noch 71 Hotels mit 7.653 Betten. Damals lag die Bettenauslastung bei 40,3 Prozent.

Lage und Stimmung uneinheitlich

Für Fritz Rößler, den Vorsitzenden des Verkehrsvereins der Freien Hansestadt Bremen und ehemaligen Präsidenten des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DeHoGa Bremen), sei die gestiegene Bettenauslastung ein Zeichen dafür, dass nicht nur der Städtetourismus insgesamt wachse, sondern neue Hotels mit ihrem eigenen Marketing auch mehr Gäste in die Stadt brächten.

So stünden für die nächsten Monate weitere Neueröffnungen in Bremen an. Die neuen Projekte von Steigenberger in der Überseestadt, ibis am Hauptbahnhof, Motel One am Brill oder B&B in Findorff sollen die Bettenkapazität in Bremen um fast 1.000 neue Betten erhöhen. „Der Konkurrenzdruck in Bremen steigt“, so Rößler. „Es findet zwar ein autonomes Wachstum im Tourismus statt, wir brauchen aber mehr Großveranstaltungen für die Stadt.“

Zudem würden Themen wie die Citytax, Umweltzone und Flugsteuer die Kostendruck-Situation für die Hoteliers ebenfalls verschärfen. Auch in der Hotellerie spiegele sich das indifferente Bild wider. Rößler zitierte eine Umfrage der Bremer Touristik-Zentrale, in der Hoteliers und Gastronomen zu ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen Lage befragt worden seien. Etwa die Hälfte aller Befragten rechne in 2013 mit gleichbleibenden Umsatz- und Gästezahlen, zirka ein Drittel gehe von zunehmenden Zahlen aus und zwanzig Prozent befürchteten einen Rückgang. Ähnliche Zahlen bestätige auch der Konjunkturreport der Handelskammer. Auch in dieser zweiten Umfrage würden „die administrativen Lasten aufgrund der Wiedereinführung der Citytax als Ärgernis“ angesehen.

Busreiseveranstalter auf dem Rückzug

BTZ-Geschäftsführer Peter Siemering bestätigte ebenfalls das uneinheitliche Stimmungsbild im Bremen-Tourismus. So hätten Reiseveranstalter wie Ameropa, NUR oder DERTour beispielsweise durchweg positive Bremen-Ergebnisse mit einem Buchungsplus von 10 bis 18 Prozent. Rückläufige Zahlen verzeichneten hingegen viele Busreiseveranstalter, die unter der strengen Umweltzone in Bremen litten. Insgesamt kämen nach Hochrechnungen der BTZ etwa 30.000 Gäste weniger mit dem Bus an die Weser.

„Es herrscht viel Unruhe in der Touristik-Branche“, fasste Peter Siemering zusammen. „Fakt ist, Bremen hat erneut einen – wenn auch kleinen – Rekord bei seinen Übernachtungszahlen zu verzeichnen. Doch ist dieses Plus wesentlich geringer ausgefallen, als in anderen deutschen Städten, die vom anhaltenden Boom im Städtetourismus profitieren. Gäste, die tatsächlich in Bremen waren, beurteilten ihren Aufenthalt in der historischen Stadt jedoch weitgehend positiv.“ So vergäben laut einer Umfrage der BTZ 88 Prozent aller Befragten die Noten gut und sehr gut für ihren Trip nach Bremen.

Ausblick 2013 und Trends

„Wir bleiben weiter optimistisch, werden unser weltweites Marketing mit voller Kraft vorantreiben und geben uns vor allem nicht mit Mittelmaß zufrieden“, laute die Devise von BTZ-Chef Peter Siemering. Für ihn spiele das Auslandsmarketing nach wie vor eine wichtige Rolle. Neue Schwerpunktmärkte seien seit Einrichtung der Ryanair-Strecken die Länder Finnland, Norwegen, Spanien oder Italien.

Aber auch die neue Moskau-Verbindung von Germania ab Sommer 2013 verspreche interessant zu werden. „Wir sind weltweit auf über dreißig Messen aktiv und arbeiten eng in Verbindung mit dem Airport und der Deutschen Zentrale für Tourismus mit Mailings, Pressearbeit oder Anzeigen. Für unseren neuen Markt haben wir gerade erst eine russische Broschüre aufgelegt, und unsere Website bieten wir ebenfalls auf Russisch an.“

Auch das Online-Marketing wachse kontinuierlich. Nach dem Relaunch der BTZ-Website www.bremen-tourismus.de verstärke die Gesellschaft nun ihr Suchmaschinenmarketing und ihre Aktivitäten im Bereich Social Media. „Besonders die jungen Gäste suchen uns verstärkt auf Facebook, Twitter, Youtube oder Pinterest“, glaubt der Tourismuschef. Auch setze die BTZ auf das Thema eMobility. „Seit einigen Jahren fahren unsere Elektro-Minibusse „Emma1“ und „Emma2“ die Gäste quer durch die Innenstadt, auch Segway-Touren haben wir schon länger im Angebot. In diesem Jahr werden wir uns im Bereich Fahrradtourismus, speziell im Segment eBikes noch breiter aufstellen“, verspricht Siemering.

„Für 2013 haben wir wieder viele spannende Veranstaltungen auf dem Kalender, die uns positiv auf die nächsten Monate schauen lassen. Dazu gehören zum Beispiel die Eröffnung des GOP Varietés in der Überseestadt, die neue Dauerausstellung „Afrika“ im Überseemuseum, die Neueröffnung des Focke-Museums mit „Graben für Germanien“ oder die Schau „Kaboom“ im Museum für moderne Kunst, der Weserburg.

Sportlich setze man auf die Tischtennis-Europameisterschaft der Senioren im Herbst oder die Weltmeisterschaft der Lateinformationen. Und auch der Kongresskalender sei relativ gut gefüllt. So würden im März 1.500 Teilnehmer zur Jahrestagung der Vereinigung angewandter Mikrobiologie erwartet. 1.200 Gäste kämen zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin.“ Besonders über die Akquise des Internationalen Trainerkongresses des Bundesverbandes Deutscher Fußballlehrer ist Peter Siemering froh. Die BTZ habe entscheidend dazu beigetragen, diese Veranstaltung mit über 1.000 Teilnehmern an die Weser zu holen.

„Der Trend zu Städtereisen bleibt weiterhin aufrecht“, resümiert der BTZ-Geschäftsführer. Deutschland ist und bleibt das beliebteste Reiseziel der Deutschen und auch Bremen kann davon profitieren. Wir wollen nicht jammern, sondern das Ergebnis weiter steigern.“

http://www.bremen-tourismus.de/

Tags: Bundesland: Bremen
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