Verkehrsgerichtstag: ADFC plädiert für sichere Radwegenetze und Promillegrenze

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Verkehrsgerichtstag: ADFC plädiert für sichere Radwegenetze und Promillegrenze

 

Am 28. Januar soll in Goslar der Verkehrsgerichtstag beginnen. Auf der Agenda stehe unter anderem das Thema „Fahrrad und Alkohol“. Diskutiert werden soll, ob strengere Vorschriften für den Radverkehr notwendig seien. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) begrüßte, dass der Vorschlag eines zusätzlichen Alkoholgrenzwerts für Rad- und Pedelecfahrende aufgegriffen wurde. Vorrangig forderte der Verband jedoch den Ausbau sicherer Radwegenetze.

ADFC-Bundesgeschäftsführerin Dr. Caroline Lodemann betonte: „Es ist gut, dass der einflussreiche Verkehrsgerichtstag die Sicherheit der Radfahrenden in den Blick nimmt. Denn tödliche Fahrradunfälle nehmen immer weiter zu – gleichzeitig soll der Radverkehr nach den Plänen der Bundesregierung weiterwachsen. Dafür muss er um Klassen sicherer werden. Maßregelungen allein greifen hier deutlich zu kurz. Priorität muss der Ausbau der Radwege haben – denn mangelnde und mangelhafte Infrastruktur ist das Hauptproblem für die Sicherheit der Radfahrerinnen und Radfahrer.“

Nach Angaben des ADFC sei Deutschland bei der angestrebten „Vision Zero“ – einem Straßenverkehr ohne Tote und Schwerverletzte – deutlich hinter den Zielen zurückgeblieben. Die Zahl der getöteten Radfahrenden sei in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Jährlich würden über 400 Menschen im Straßenverkehr auf dem Fahrrad sterben, rund 90.000 verletzt werden. Hauptgefahrenstellen seien Kreuzungen und Einmündungen, häufig in Konflikt mit dem Autoverkehr. Laut ADFC-Fahrradklima-Test 2024 sollen sich mehr als 70 Prozent der 213.000 Teilnehmenden im Straßenverkehr unsicher gefühlt haben.

Als Hauptursache habe der Verband die unzureichende Infrastruktur genannt. Viele Straßen seien für den Radverkehr ungeeignet, Radwege oft marode, zu schmal oder zugeparkt. An Kreuzungen fehle häufig die Trennung von Geradeaus- und Abbiegeverkehr. Im Winter seien Radwege zudem schlecht geräumt und rutschig. Besonders auf Landstraßen, wo sich Radfahrende die Fahrbahn mit Autos teilen müssen, steige die Zahl der Unfälle. Rund 40 Prozent der tödlichen Fahrradunfälle sollen sich außerorts ereignet haben, obwohl dort nur etwa zehn Prozent des Radverkehrs stattfinden sollen.

Der ADFC fordere daher flächendeckendes Tempo 30 in Städten sowie eine bundesweite Ausbauoffensive für sichere Radwege und Kreuzungen, auch in ländlichen Regionen. Zudem sollen Radwege ganzjährig gepflegt und geräumt werden. Lodemann betonte: „Nur mit sicheren Radwegen gibt es sicheren Radverkehr.“

Darüber hinaus habe der ADFC einen zusätzlichen Alkohol-Gefahrengrenzwert von 1,1 Promille für Rad- und Pedelecfahrende empfohlen. Zwar sollen Alkoholunfälle weniger als zehn Prozent aller Fahrradunfälle ausmachen, ihr Anteil sei jedoch gestiegen. Derzeit gelte eine absolute Fahruntüchtigkeit ab 1,6 Promille. Wer diesen Wert überschreite, mache sich strafbar. Ein darunterliegender Grenzwert, wie er im motorisierten Verkehr gelte, existiere bislang nicht. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen steige die Fahrunsicherheit beim Radfahren bereits im Bereich zwischen 0,8 und 1,1 Promille deutlich an.

Der ADFC betonte, dass alle Verkehrsteilnehmenden Verantwortung für die Sicherheit im Straßenverkehr tragen. Autofahrende sollen Radwege freihalten, beim Abbiegen und Aussteigen besondere Vorsicht walten lassen und ausreichenden Abstand halten – mindestens 1,50 Meter innerorts und 2 Meter außerorts. Auch Radfahrende müssten aufmerksam fahren und die Verkehrsregeln einhalten. Lodemann: „Wir erwarten Regeltreue von allen Verkehrsteilnehmenden. Ein aggressives oder auch nur leichtfertiges Verkehrsklima gefährdet alle – ein gutes Miteinander schützt Leben.“

 

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Bild: © ADFC/Krone

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