Zwischen menschlich und menschengemacht: Der Tourismus und die Flut

Geschrieben von Matthias Burzinski am .

Hochwasser, Mosel, Urlauber

 

Eigentlich verbietet es sich, so unmittelbar nach oder noch in einer Katastrophe den Blick auf die Ökonomie, den Tourismus, eine Branche, zu richten. Aber: Es ist unsere Perspektive auf die Welt. Und: Es ist auch deshalb richtig, weil sich wieder einmal der Kern aller Dinge zeigt: Das zutiefst Menschliche in allem Tun.

Menschlich ist das Mitgefühl mit den Angehörigen der Toten.

Menschlich ist aber auch das Mitgefühl mit den Eigentümer*innen von Läden und Hotels, mit Menschen, die vom Tourismus leben und durch eine Katastrophe ihre Existenzgrundlage verlieren, nachdem sie gerade erst einer weiteren globalen, sich lokal auswirkenden Krise entkommen waren.

Menschlich ist es, wenn Hotelbetreiber*innen bei uns hier in Bonn oder wie Lindner am Nürburgring den Mitbürgern*innen, die alles verloren haben und obdachlos sind, kostenlos ihre Zimmer zur Verfügung stellen.

Menschlich ist es, dass sich in der Not das Böse und das Gute der menschlichen Natur gleichermaßen offenbaren - zwischen Plünderung und Solidarität.

Menschlich ist auch, dass wir oft mit einer verstörenden Mischung aus Faszination und Entsetzen auf die katastrophalen Bilder starren, die für die meisten von uns jenseits der Vorstellungskraft liegen. Umso mehr, wenn man - wie wir hier in Bonn - fast alle diese Orte kennt, von Ausflügen in die Eifel, Wanderungen an der Ahr, von Ausflügen ins Bergische Land. Mit dem Schönsten, was man diesen Landschaften abgewinnen kann: viele wunderbare Erinnerungen.

Menschlich ist es auch, dass wir immer glaubten, dass es so etwas hierzulande nicht geben kann, sondern nur fern von hier in Welten jenseits der westeuropäischen Grundordnung. Und plötzlich flutet es unsere Wohnzimmer.

Menschlich ist es auch, dass man zumindest den Überlebenden irgendwie helfen will, mindestens spenden (!), am besten ANPACKEN - aber es nicht immer kann.

Menschlich ist es, dass einen die Wut packt, wenn man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass die Situation politisch ausgeschlachtet wird. Und gleichzeitig merkt, dass man hier als Politiker*in eigentlich nur alles falsch machen kann - egal ob ich mich als solche/r zurückhalte oder ob ich mich dazu äußere, weil es immer zwischen den widerstreitenden Emotionen zerrieben wird.

Zutiefst menschlich ist es, irgendwann die Frage nach dem Warum und dem Wie zu stellen: Wie konnte das passieren? Warum mussten so viele Menschen sterben? Und dann zu der ernüchternden, beschämenden Erkenntnis kommt: Es ist menschlich, es ist menschengemacht. Von uns allen.

Menschengemacht muss deshalb auch alles das sein, was künftig das Risiko für derartige Ereignisse senkt, was unsere Natur- und Kulturlandschaften nicht gefährdet, was die Grundlagen des Tourismus erhält, was Menschenleben rettet. Ein konsequenter, kompromissloser Kampf gegen den Klimawandel. Mit einem kleinen, aber wichtigen Baustein aus unserer Branche: einem nachhaltigen Tourismus, für den wir maßgeblich verantwortlich sind. Spenden reicht da nicht mehr. Nur noch: ANPACKEN.


Bild: Matthias Burzinski

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