Die eigene Tourismusakademie in der Destination einrichten: Warum KI alles verändert

Destinationsorganisationen und Tourismusverbände wollen nicht nur ihre Teams weiterbilden, sondern auch ihre Leistungsträger:innen. Es gehört zu den künftigen Kernaufgaben eines jeden Destinationsmanagements. Der Wille ist auch da. Was fehlt, sind Struktur, Didaktik und Kontinuität. Und ja: Auch das Budget. Doch das ist im Zeitalter der KI eigentlich nicht mehr zwingend ein Problem. Genau deshalb haben wir bei destinet.de und destinetCHANGE einen klaren, KI-unterstützen Prozess entwickelt, der Weiterbildung nicht nur plant, sondern wirksam macht.
Unser Vorgehen: Vier Schritte zur wirksamen Akademie
1. Bedarfsanalyse
Bevor ein Programm entsteht, klären wir gemeinsam mit unseren Kund:innen: Welche Kompetenzen braucht die Zielgruppe wirklich? Nicht was gerade im Trend liegt, sondern was im Arbeitsalltag wirkt. Wir analysieren bestehende Strukturen, befragen Stakeholder und definieren messbare Lernziele.
2. Didaktisches Design mit Constructive Alignment
Jedes Modul folgt dem Prinzip des Constructive Alignment – einem Konzept des australischen Bildungsforschers John Biggs. Die Idee: Lernziele, Methoden und (Prüf-)Formate müssen ineinandergreifen. Wer ein Besucherlenkungskonzept entwickeln können soll, muss im Seminar auch eines entwickeln, nicht nur einen Vortrag darüber hören. Konkret heisst das:
- Jedes Modul beginnt mit einem klar formulierten Lernziel.
- Die Methoden sind auf dieses Ziel ausgerichtet: Fallstudien, kollegiale Beratung, Problem-Based Learning oder Action Learning.
- Eine Überprüfung misst, ob das Ziel erreicht wurde, durch Praxisaufgaben, nicht durch Multiple-Choice-Tests.
3. Blended Learning nach dem Flipped-Classroom-Prinzip
Wir kombinieren Präsenz, Live-Online und Selbstlernphasen. Das Herzstück ist der Flipped Classroom: Teilnehmende stellen sich eigenständig auf die Inhalte ein, z.B. auf Basis von Abfragen vorab, mit kurzen Videos, Lektüren oder Aufgaben. Die gemeinsame Zeit nutzen wir dann mehr für Anwendung, Diskussion und Austausch. Zugegeben: Das ist oft der schwierigste Teil. Denn Flipped Classroom setzt Eigeninitiative und Vorbereitung voraus. Im vollen Berufsalltag einer DMO, TI oder eines Betriebs ist das nicht selbstverständlich. Aber genau deshalb lohnt es sich: Die knappe Präsenzzeit wird produktiver, der Lerneffekt größer.
4. Transfer-Sicherung durch Peer Learning
Wissen, das nicht angewendet wird, verschwindet. Deshalb legen wir großen Wert auf Peer-Feedback. Der Austausch mit anderen aus der Community ist für uns kein Zusatz, sondern das Fundament. Unsere KI-Clubs mit mittlerweile 48 Mitgliedsorganisationen und vielen Hundert Mitarbeitenden sind dafür die Blaupause. Hier sehen wir, wie Peer Learning funktioniert, sammeln Erfahrungen: Wissen bleibt nicht in der Theorie, sondern landet im Arbeitsalltag.
Die eigene Akademie aufbauen
Nun gehört es in jedes gute Tourismuskonzept, dass wir uns Gedanken machen, wie wir in der Destination auch unsere Betriebe und Akteure schulen. Viele Tourismusakademien gibt es schon, funktionieren aber noch nach einem sehr traditionellen Schema, das im Angesicht des KI-Zeitalters nicht mehr zeitgemäß ist.
Warum KI die Weiterbildung grundlegend verändert
Künstliche Intelligenz ist nicht einfach ein weiteres digitales Werkzeug. Sie verändert die Art, wie wir lernen, lehren und Wissen organisieren, und das auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
KI wird persönlicher Lernbegleiter: Moderne KI-Systeme agieren zunehmend als lernbegleitende Coaches. Sie simulieren Gesprächssituationen, geben individuelles Feedback und passen sich an das Tempo der Lernenden an . Statt ein Seminar für alle gleich zu gestalten, kann KI erkennen, wo jemand steht, um genau dort anzusetzen. Deswegen gehören z.B. KI-Chatbots, wie wir sie auf unserer eigene Lernplattform integrieren künftig zum Standard.
Für den Tourismus bedeutet das beispielsweise aber auch: Eine Mitarbeiterin in der Tourist-Information kann ein Gesprächstraining mit einem KI-Bot absolvieren, der auf typische Gästefragen reagiert. Ein Destinationsmanager kann eine Krisenkommunikation simulieren, bevor der Ernstfall eintritt etc. Diese indivioduellen Bausteine gehören in jedes interne Fortbildungskonzept.
Personalisierte Lernpfade statt Einheitsprogramm
KI-gestützte Plattformen analysieren z.B. Verhalten, Wissensstand und Präferenzen der Lernenden. Daraus entstehen individuelle Lernpfade: Wer ein Thema bereits beherrscht, überspringt es. Wer Lücken hat, bekommt gezielt Inhalte angeboten . Das spart Zeit und steigert die Motivation. Laut einer PwC-Studie verzeichnen Organisationen mit KI-gestützten Lernlösungen einen Produktivitätszuwachs von rund 10 Prozent bei gleichzeitig sinkenden Schulungskosten .
Microlearning im Arbeitsfluss
Einer der stärksten Trends: Lernen verschmilzt mit dem Arbeitsalltag. KI liefert kurze Lernimpulse genau im richtigen Moment, etwa vor einem Kundengespräch, nach einem Prozessfehler oder bei einer neuen Aufgabe. Statt sich für ein ganztägiges Seminar freizunehmen, lernen Mitarbeitende in kleinen Einheiten direkt am Arbeitsplatz. Dazu haben wir auf unserer lernplattform z.B. kleine DestiClips entwickelt, die in wenigen Minuten ein Thema erläutern. Für Destinationen heißt das konkret: Ein kurzer KI-generierter Impuls zur Barrierefreiheit, bevor die Saison startet. Ein Drei-Minuten-Video zur neuen Buchungsplattform, genau dann, wenn die erste Anfrage kommt.
KI in der Inhaltserstellung
Wo früher Wochen nötig waren, um Schulungsmaterialien zu erstellen, generiert KI heute Entwürfe für Präsentationen, Quizfragen, Fallstudien oder Zusammenfassungen in Minuten, und zwar basierend auf den eigenen Inhalten, auf Eurem Wissen, nicht zufällig und generisch. Die Qualitätskontrolle bleibt beim Menschen, bei Euch, aber der Aufwand sinkt erheblich.
Die Basis: KI im Wissensmanagement
Vielleicht der größte Hebel für Destinationen: KI kann internes Wissen strukturieren und zugänglich machen. Protokolle, Berichte, Strategiepapiere, Projektdokumentationen, all das lässt sich mit KI durchsuchbar, verknüpfbar und nutzbar machen. Statt Wissen in Köpfen oder auf Festplatten zu horten, entsteht eine lebendige Wissensbasis.
Was KI nicht ersetzt
Bei aller Begeisterung: KI ersetzt weder die Lehrperson noch den Austausch unter Kolleg:innen. Sie ersetzt kein Vertrauen, keine Erfahrung, kein Urteilsvermögen. Die Lehrkraft bleibt in der führenden Rolle. KI unterstützt dort, wo sie echten Mehrwert schafft. Nicht mehr, nicht weniger. Der OECD Digital Education Outlook 2026 beschreibt genau diese Dualität: KI kann schulisches und berufliches Lernen sowohl untergraben als auch verbessern, entscheidend ist der bewusste, gezielte Einsatz .
Was das für euch bedeutet
Die Weiterbildungslandschaft im Tourismus steht vor einem Umbruch. KI macht vieles möglich, was gestern noch undenkbar war: personalisierte Lernpfade, Echtzeit-Feedback, automatisierte Inhaltserstellung, intelligentes Wissensmanagement.Aber Technologie allein bildet niemanden weiter. Es braucht kluge Didaktik, erfahrene Referent:innen und eine Lernkultur, die Austausch fördert. Genau das bringen wir z.B. in unseren KI-Clubs zusammen. Oder eben für Euch, bei der Neukonzeption Eurer Akademie.
Deshalb wäre es doch schön, wenn wir uns auch über eure Ansätze zur internen Weiterbildung einmal zukunftsorientiert austauschen. Wie setzt ihr KI im Wissensmanagement oder in der Didaktik ein? Was funktioniert, was nicht?
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Wir freuen uns auf einen unverbindlichen Austausch und gerne auch ein Pilotprojekt zur Neukonzeption Eurer Tourismusakademie.
Matthias Burzinski