Tourist Information für das digitale Zeitalter? TI in St. Moritz Dorf wird zur iLounge

Geschrieben von Matthias Burzinski am .

iLounge 714 Desborough


Die Informationsstelle in St. Moritz Dorf wurde zur iLounge umgestaltet. Die iLounge soll die Antwort der Tourismusorganisation Engadin St. Moritz auf das digitale Zeitalter sein. Das Konzept enthält viele Elemente, die wir im Rahmen unserer Studie Future.TI zur Zukunft der Tourist-Information als zukunftsträchtig herausgearbeitet haben.

Bisher seien die jährlich rund 20.000 Gäste der Tourist Information St. Moritz Dorf an einem nicht mehr zeitgemäßen Informationsschalter bedient worden. Mit der neuen, offenen Raumaufteilung und der entsprechenden Inneneinrichtung werde die Distanz zwischen Gästen und Gästeberatern beseitigt: die Informationssuchenden würden auf unkomplizierte Art empfangen, die auf die neue Situation entsprechend geschulten Mitarbeiter seien Ausflugsberater und Geheimtippvermittler.

Damit hat die Destination wesentliche Ergebnisse und Empfehlungen aus unserer Studie zur Zukunft der Tourist-Information aufgegriffen und umgesetzt. Gerade die Auflösung der starren Counterlösung stößt vielerorts noch auf Widerstände, wie wir in der direkten Beratung häufig feststellen, meist bei den Mitarbeitern. Zudem ist zu bedenken: Es ist ein Unterschied, ob ich in einer Tourist-Information überschaubare 20.000 Gäste begrüße - wie in St. Moritz Dorf - oder 200.000, 300.000, 400.000 oder sogar noch mehr wie an vielen anderen Hochfrequenzstandorten. In einem solchen Fall ist die Raumsituation nicht so einfach anzupassen und bedarf der klugen Layoutplanung. Das haben unsere letzten Konzeptionen, etwa für die hochfrequentierte TI in Köln, gezeigt.

Die iLounge soll damit die Antwort auf das digitale Zeitalter sein. In der iLounge sollen sich Gäste mit Einheimischen austauschen und damit auf eine überraschende Art und Weise das Oberengadin vertiefter kennen lernen. Gleichzeitig will die Tourismusorganisation einen Beitrag zur Belebung des Dorfzentrums von St. Moritz leisten und hofft damit, Impulse für weitere Initiativen in St. Moritz auszulösen.

Damit wird die Rolle der Tourist-Information als Begegnungsstätte aufgewertet und ihre zentrale Schnittstellenfunktion zwischen "analog" und "digital" betont. Ein gelungener Ansatz: Es bleibt jedoch abzuwarten, ob vor allem die Einheimischen bei dieser neuen Rollenverteilung mitspielen. Dies ist keineswegs gewährleistet, wenn die Einheimischen keinen zusätzlichen Nutzen aus einem Besuch der Tourist-Information ziehen können. Daher reicht es nicht, die Raumgestaltung anzupassen - ein neues Sevicekonzept für Touristen und Einheimische gleichermaßen muss die Umstellung begleiten. Wohl auch deshalb soll - basierend auf den Erfahrungen in der laufenden Sommersaison - das Konzept in St. Moritz in Zusammenarbeit mit lokalen Gastronomen für den kommenden Winter erweitert werden.

Die Gestaltung der Inneneinrichtung stützt sich auf die St. Moritz-Sujets, die der weltbekannte Illustrator Christoph Niemann in den letzten Jahren geschaffen hat. Dies entspricht einer weiteren Kernanforderung an moderne TIs: Die Marke sichtbar zu machen - durch Schlüsselreize, Key-Visuals und Assoziationen, die nicht nur Werte vermitteln, sondern idealerweise auch noch eine kognitive Karte (mental map) der Destination im Kopf schaffen. Die Umgestaltung wurde daher vermutlich bewusst mit Unterstützung des Inszenierungsunternehmens Steiner Sarnen AG vorbereitet.

Bewährt sich dieses innovative Konzept, soll es auf weitere Informationsstellen in der Tourismusdestination Engadin St. Moritz individuell erweitert werden. Ein spannendes Projekt, das wir weiter im Blick behalten werden, und von dem die ein oder andere mutige Destination hierzulande vielleicht etwas lernen kann.

Sie wollen einen ähnlichen Weg gehen? Wir unterstützen Sie dabei gerne - zum Einstieg z.B. durch unser Seminar oder einen anderen unserer Bausteine zur Optimierung Ihrer TI.

www.engadin.stmoritz.ch
Bild: Fotograf Daniel Desborough

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