RDA-Workshop: Wo steht die Bustouristik?
Donnerstag, den 29. Juli 2010 um 07:41 Uhr
Der Busreisemarkt hat in Deutschland noch immer beachtliche Dimensionen. Jährlich fahren nach Angaben des RDA über 100 Mio. Personen mit dem Reisebus. Genauer gesagt fänden rund 5,6 Mio. Busurlaubsreisen statt, 12 bis 15 Mio. Kurz-Urlaubsreisen mit dem Bus mit einer Dauer von 2 - 4 Tagen und 80 Mio. Gelegenheitsverkehre (Tagesfahrten, Klassenfahrten, Incoming und kombinierte Reisen). In Deutschland gebe es 4.700 private Omnibusunternehmen mit rund 63.000 Bussen. So seien in Deutschland 320.000 Arbeitsplätze direkt von der Busbranche abhängig.
Der deutsche Bustouristikmarkt sei im Outgoing für viele deutsche Nachbarländer wirtschaftlich unverzichtbar. So kämen etwa 13 % der Frankreich- bzw. 17 % der Italienreisen Busreisen aus Deutschland. Absolute Spitzenwerte erreichten die östlichen Nachbarn Polen und die Tschechische Republik mit Busanteilen von jeweils 30 %. Für eine gute inländische Nachfrage spielten neben den Privatkunden die rund 600.000 eingetragenen Vereine und Clubs in Deutschland, die jährlich Busfahrten buchten, eine essentielle Rolle.
Der Ausbau der Produktpalette, beispielweise die Ergänzung von Outgoing-Geschäften mit Incomingaktivitäten, förderten künftig die wirtschaftliche Stabilität des einzelnen Busunternehmens. Zahlreiche Angebote von kombinierten Bus-Flugreisen oder Bus- Schiffskombinationen sowie zielgruppenorientierte maßgeschneiderte Themen- und Eventreisen zeigten, dass sich ein Teil der Busunternehmen zunehmend zu mittelständischen Veranstaltern von Gruppenreisen entwickelten.
Neben dieser neuen Veranstaltergeneration behaupteten sich aber auch die klassischen Omnibusunternehmen, die in den Segmenten Kultur-, Event-, Musik- oder Städtereisen zu Hause sind, ebenso wie erfolgreiche Spezialisten mit Jugend- oder Fahrradreiseangeboten, am Markt.
Blickten Anfang des Jahres noch die überwiegende Zahl der Bus-Unternehmer skeptisch in die Saison, haben sich die dunkeln Wolken nun etwas verzogen. Trotz der noch nicht entspannten wirtschaftlichen Lage, bewerteten die in der DIHK Saisonumfrage befragten Busunternehmen die Geschäftslage der Saison 2009 positiver als in den letzten fünf Jahren. Um die Nachfrage stabil zu halten, verzichten demnach 70 Prozent der Unternehmen darauf, die Reisepreise anzuziehen, lediglich 20 Prozent wollten hier den Hebel nach oben ansetzen.
Busreisende seien laut Veranstalter neugieriger auf neue Destinationen und aufgeschlossener als der Rest der Urlauber. Sie wollten fremde Länder und Kulturen kennen lernen und dabei gut betreut in der Gruppe unterwegs sein. Der Wunsch nach Individualität nehme aber zu. Die Gäste legten Wert darauf, auch einmal allein unterwegs zu sein und lehnten ein allzu starres Zeitkorsett ab. Darüber hinaus gehe der Trend zu kleineren Gruppen und damit auch zu entsprechenden Bussen. Dem kämen die Hoteliers vielfach entgegen mit verlängerten Stornofristen oder einem angepassten Preis, wenn sich die Gruppengröße verringere.
Kurz- und Städtereisen sowie der Ausflugsverkehr entwickelten sich laut Veranstalter positiv. Auch die Anmietverkehre konnten bei rund der Hälfte der Veranstalter zulegen. Inländische Ziele erlebten einen Nachfrageboom. Besonders gefragt seien die Küstenregionen oder Städte wie Hamburg und Berlin. Im Deutschlandtourismus sei der Bus nach wie vor ein wichtiger Partner für die Destinationen.
Das Topziel der Bustouristik sei und bleibe Italien, dort konnte in der Reisesaison 2009 Boden gut gemacht werden. Österreich und die Schweiz seien ebenfalls verlässliche Busdestinationen und stiegen in der Nachfrage. Bei den ausländischen Zielen verliere Spanien erneut in Folge Marktanteile als Busreisziel und rangiere nunmehr auf dem 6. Platz. Eine unmittelbare Folge des forcierten Ausbaus des Landes zur Flugdestination.
Als Fazit konnte der RDA-Präsident auf seiner Pressekonferenz festhalten, dass insgesamt die Tourismuswirtschaft aufgrund der momentanen Buchungslage positiv in die Reisesaison 2010 blicke. Die Optionalität der Kunden werde aufgrund der Haushaltssituation steigen. So hätten bisherige Nischenelemente die Chance eine wahre Renaissance zu erleben. Dazu zählten zum Beispiel: Ausflüge in Naherholungsgebiete, Wellnessurlaub im Kleinen, Aktivferien auf dem Rad oder zu Fuß.
RDA-Hauptgeschäftsführer Dieter Gauf informierte zudem über geplante Aktionen und Kampagnen des RDA. Vor allem das Thema Events steht künftig auf der Tagesordung. Egal ob es sich um inszenierte Dauerevents wie Musicals und Themenparks handele oder einzigartige Aktionen wie Kulturhauptstadt oder Gartenschauen. Ein wichtiger Baustein sei die RDA Event Partnerschaft mit der BUGA, die am Vormittag auf dem RDA-Workshop von RDA-Präsident Richard Eberhardt und dem Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft (DBG), Jochen Sander, offiziell besiegelt wurde. Der RDA werde zudem künftig mit weiteren Events Partnerschaften abschließen.
Mit dem neuen starken Partner TÜV Rheinland führt der RDA die Sicherheitsinitiative "Bus-Pilot" fort. Der Busfahrer sei und bleibe das wichtigste Glied in der Kette von Sicherheitsmaßnahmen rund um den Bus. Die Branche müsse also alles tun muss, um dem Fahrer fit zu halten. Denn der heutige Straßenverkehr stelle höchste Anforderungen an das Können der Fahrer. Mit einer Bus-Pilot-Schulung erfüllten die Busfahrer nicht nur die vorgeschriebene gesetzliche Weiterbildung, sondern steigerten ihre Qualifikation im Reiseverkehr. Die Schulung ist als Weiterbildung im Sinne des Berufskraftfahrerqualifikationsgesetzes (BKrFQG) anerkannt. Dieses verpflichtet alle gewerbsmäßigen Fahrer/innen von Omnibussen zu tätigkeitsbezogenen Weiterbildungen. Als anerkanntes Weiterbildungsunternehmen bestätigt TÜV Rheinland den Besuch der gesetzlich verpflichtenden Weiterbildung nach Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz (BKrFQG) zur Verlängerung der Fahrerlaubnis.
Hermann Meyering, stellvertretender RDA-Präsident und stellvertretender gbk-Vorsitzender, informierte über die die gbk-Sterne, die für ein gutes Klima im Bus und auf dem Globus sorgen. Am Beispiel des Ausfalls der Klimaanlagen in deutschen ICEs, erläuterte Meyering, dass auch die Busbranche nicht völlig gegen Pannen immun sei. Doch moderne Reisebusse seien mit einer Technik ausgestattet, die auf die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen in Europa ausgelegt sei. Zum hohen Qualitätsstandard in der Bustouristik habe die Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk) einen wesentlichen Beitrag geleistet. Das System der Busklassifizierung biete dem Verbraucher eine zuverlässige Orientierung. Denn die Einhaltung der strengen Kriterien, die der Vergabe von Sternen zugrunde lägen, werde regelmäßig von neutralen Prüforganisationen wie TÜV oder DEKRA kontrolliert.
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