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Welterbekomitee: Zwei Anträge aus Deutschland im Programm

Das UNESCO-Welterbekomitee tagt vom 25. Juli bis 3. August 2010 in Brasilia. 32 Kultur- und Naturstätten kandidieren in diesem Jahr für die UNESCO-Welterbeliste. Deutschland hat die Oberharzer Wasserwirtschaft als Erweiterung der Welterbestätte "Bergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar" nominiert, die seit 1992 zum UNESCO-Welterbe gehört. Und der Mittelrhein bangt wegen einer geplanten Brückenquerung um seinen Status.

Weitere Welterbeanträge werden entschieden. Dazu zählen das Stadtviertel und Kanalsystem innerhalb der Singelgracht in Amsterdam, der Mount Vernon, Landsitz des ersten US-Präsidenten George Washington in Virginia, und das ehemalige Atombombentestgebiet Bikini-Atoll in der Südsee.

Die Oberharzer Wasserwirtschaft in Niedersachsen kanalisierte im Mittelalter das Wasser für den Bergbau. Es ist eines der weltweit größten vorindustriellen Energieversorgungssysteme und besteht aus miteinander verbundenen Teichen, Stollen, Gräben und Schächten. Der älteste Teil der Oberharzer Wasserwirtschaft wurde zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert durch die Zisterzienser erbaut.

Das UNESCO-Welterbekomitee entscheidet jedes Jahr über die Aufnahme von neuen Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste. Seine 21 Mitglieder vertreten 21 Staaten aus allen Kontinenten. Das Komitee überprüft auch, ob Welterbestätten in ihrem Bestand gefährdet sind. Auf der "Liste des gefährdeten Welterbes" stehen derzeit 31 Welterbestätten, unter anderem das Barrier Riff in Belize, die Reisterrassen in den philippinischen Kordilleren und die archäologische Stadt Samarra im Iran.

Am Mittelrhein sorgt die geplante Brückenquerung für Diskussionen. Auf der Sitzung des Welterbekomitees in 2009 in Sevilla wurde Rheinland-Pfalz aufgefordert, eine "visual impact study" (VIS) zu erstellen und den "outstanding universal value" (OUV) herauszuarbeiten. Prof. Kunibert Wachten vom Institut für Städtebau und Landesplanung der RWTH Aachen habe daraufhin ein "Gutachten zur Beurteilung der visuellen Auswirkungen der geplanten Rheinbrücke zwischen Wellmich und Zu Fellen auf die Integrität des Welterbes Oberes Mittelrheintal" vorgelegt. Darüber hinaus habe das Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr unter der Leitung von Prof. Dirk Vallée eine verkehrliche Bewertung einer Brücken-, Tunnel- oder Fährverbindung im Mittelrheintal bei St. Goar abgegeben. In dieser Bewertung werden die Leistungsfähigkeit einer Fährverbindung im Vergleich zu einer festen Rheinquerung sowie städtebauliche und verkehrliche Aspekte einer Tunnel-Lösung verglichen. Was die Kosten anbelange, zeige sich, dass bei gleicher Kapazitätsleistung und Lebensdauer die jährlichen Kosten der Fähre und eines Tunnels etwa doppelt so hoch seien wie die einer Brücke. Die VIS kommt zu dem Ergebnis, dass die Brücke am geplanten Standort bei Zu Fellen/Wellmich visuell akzeptabel sei und damit dem "außergewöhnlichen universellen Wert der Welterbestätte" (OUV) entspreche. Alle geforderten Unterlagen wurden Ende Januar 2010 an das Welterbesekretariat für die Sitzung des Welterbekomitees am 25. Juli bis 3. August 2010 in Brasília übermittelt.

Die Realisierung einer festen Rheinquerung soll nach Aussagen der Landesregierung auch weiterhin in Abstimmung mit der UNESCO erfolgen. Die Landesregierung werde das Welterbe-Prädikat des Mittelrheintals in keiner Weise gefährden. Deshalb würden die weiteren Planungsschritte erst eingeleitet, wenn mit der UNESCO Einvernehmen über das weitere Vorgehen erzielt worden sei.

www.unesco.de

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