Startschuss für kooperative Mumien-Ausstellung in Kassel
Freitag, den 13. November 2009 um 01:00 Uhr
Bei dem Thema "Mumien" habe sich die Zusammenarbeit aufgedrängt: Naturwissenschaftlich ausgeleuchtet wird das Thema im Naturkundemuseum, das Mumien außereuropäischer Kulturen zeigen wird. Das Museum für Sepulkralkultur legt seinen Schwerpunkt auf die kulturhistorische Bedeutung von Mumien, insbesondere im Kontext der europäischen Begräbniskultur.
"Diese spektakuläre Ausstellung wird weit über die Grenzen unserer Region hinaus ausstrahlen", glaubt Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Der Kulturstandort Kassel werde durch die große Mumienausstellung in beiden Museen noch einmal an Bedeutung gewinnen, ist sich der OB sicher.
Die Gründe für die Realisierung der Ausstellung im Naturkundemuseum und im Museum für Sepulkralkultur bestünden in der Historie, der Sammlung oder auch der Themenstellung beider Häuser, erklärte der Leiter des Naturkundemuseums Dr. Kai Füldner. In dem vor über 400 Jahren errichteten Gebäude des heutigen Naturkundemuseums, das Ottoneum, war im frühen 18. Jahrhundert eine Lehranstalt - das Collegium Carolinum - untergebracht, in der Ärzte und Hebammen ausgebildet wurden. Aus jener Zeit stammen auch die genannten Fötenmumien. Das Ottoneum stellt somit aufgrund seiner Historie einen authentischen Ort für die Präsentation von Mumien dar.
Demgegenüber stelle das Museum für Sepulkraltur aufgrund seiner kulturgeschichtlichen Ausrichtung die Rezeption der Mumien in Europa und die Praxis der Mumifizierung in den europäischen Kirchengrüften in den Mittelpunkt. Die hiermit verbundene Frage nach der (sogar physischen) Unsterblichkeit werde schließlich bis in die Gegenwart (und Zukunft) verfolgt. Einen weiteren Schwerpunkt bilde hier die Auseinandersetzung mit Mumien in der zeitgenössischen Kunst, erläuterte Prof. Dr. Reiner Sörries, Leiter des Sepulkralmuseums.
Die Ausstellung basiert auf der 2007/2008 gezeigten Sonderschau "Mumien - Der Traum vom Ewigen Leben" der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Deren Kurator Dr. Wilfried Rosendahl machte deutlich, um welche verschiedenen Fragestellungen und Aspekte sie an den beiden Kasseler Ausstellungsstandorten erweitert wurde: "Die Ausstellung in Kassel zeigt nicht nur neueste Erkenntnisse aus dem German-Mummy-Project, sondern wurde auch um ein wichtiges europäisches Mumienthema, nämlich 'Mumien und Mumifizierung in Anatomie' erweitert. Es handelt sich ebenfalls um ein Teilgebiet des Mannheimer Forscherteams. Für uns als Urheber der Mumienausstellung war die Zusammenarbeit der beiden Museen in Kassel als ein Ausstellungsort sehr interessant. Die Themenkombination der beiden Häuser ist weltweit einmalig und bietet damit einen einzigartigen Rahmen für eine außergewöhnliche Ausstellung."
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