CMT: F.U.R wagt erste Prognose zur Wirtschaftskrise
Montag, den 19. Januar 2009 um 02:00 Uhr
Fasst man die Branchendaten zum Jahresende zusammen, so ergebe sich ein sehr positives Bild: Weltweit ist die Zahl internationaler Ankünfte gestiegen. Die Welttourismusorganisation (UNWTO) rechnet für 2008 mit über 920 Mio. Ankünften und erwartet, dass sich der Wachstumstrend, wenn auch deutlich gemäßigt, 2009 ebenfalls fortsetzt. Auch innerhalb Deutschlands wuchs die Zahl der Übernachtungen um etwa 3%. Die F.U.R kennzeichnet die deutsche Urlaubsnachfrage auf der Basis der RA online vom Jahresende 2008 insgesamt mit "Stabilität auf hohem Niveau", wobei sich für 2008 sowohl für die Zahl der Urlaubsreisen als auch für die Reiseausgaben leichte Steigerungen abzeichnen. Analog dazu berichtet auch die Tourismusindustrie von stabilen Gästezahlen, mehr Umsatz und höheren Erträgen.
Neue Herausforderungen durch die Wirtschaftskrise
Allerdings gebe es im Tourismus eine ganze Reihe von Herausforderungen (z.B. Finanzkrise, Energiepreise, wirtschaftliche Entwicklung, Klimawandel), die für die Zukunft zumindest Fragezeichen setzen. Die aktuelle Finanzkrise sowie die damit zusammenhängende zukünftige wirtschaftliche Entwicklung seien Themen, die zum Jahreswechsel die Medien dominieren. Für die Reisebranche sei vor allem von Bedeutung, was diese Entwicklungen für die Reisepläne der Deutschen in 2009 bedeuten. Die Finanzkrise, das zeigten die Daten der aktuellen RA online löse bei einem großen Teil der deutschen Bevölkerung Besorgnis aus: 72% fänden die Finanzkrise allgemein besorgniserregend. 16% der Deutschen sähen sich durch die Finanzkrise persönlich betroffen, 13% geben an, dass die Finanzkrise ihre Urlaubsreiseplanung für 2009 beeinflusse.
Die allgemeine wirtschaftliche Lage in Deutschland sähen die Deutschen für das kommende Jahr eher pessimistisch: 76% der Bevölkerung erwarten, dass sie in einem Jahr schlechter sein werde als momentan. Ein anderes Bild zeigt sich bei der Frage nach der erwarteten persönlichen wirtschaftlichen Situation in einem Jahr: 36% der Deutschen erwarten, dass sich diese in einem Jahr verschlechtert haben werde, 42% erwarteten aber keine Veränderung bzw. 22% sogar eine Verbesserung ihrer persönlichen wirtschaftlichen Situation.
Reisepläne 2009: Zahl geplanter Reisen konstant.
Für die Urlaubsreisepläne 2009 spielten natürlich auch andere Faktoren als die Finanzkrise und deren Konsequenzen eine Rolle. Die Besorgnis und Unsicherheit in wirtschaftlicher Hinsicht führe aber zu einer abwartenden Haltung, die rechte Urlaubslust wolle bei manchen noch nicht aufkommen: ¾ der Deutschen hätten bereits über ihre Urlaubsreisepläne für 2009 nachgedacht. Für 28% seien alle Voraussetzungen (Zeit, Geld und Lust) gegeben, dass sie 2009 verreisen würden. Jeweils knapp 30% der Bevölkerung seien sich noch unsicher, was diese Voraussetzungen angeht. Im Vergleich zum Vorjahr zeige sich damit etwas mehr Zurückhaltung, besonders der Anteil der "Noch Unsicheren" sei gestiegen.
Auf das zu erwartende Volumen der Reisen habe die Unsicherheit aus heutiger Sicht aber nur einen geringen Einfluss: Insgesamt planten 22% der Deutschen 2009 mehr Reisen als 2008 zu unternehmen, 21% aber auch weniger Reisen, so dass sich die Reisepläne für 2009 insgesamt ausgleichten.
Was die geplanten Urlaubsreiseausgaben für 2009 angehe, zeige sich eine ähnliche Situation: 25% der Deutschen planten, 2009 mehr Geld für Urlaubsreisen auszugeben als 2008, 25% aber auch weniger als in 2008, so dass sich auch die geplanten Änderungen in den Reiseausgaben für 2009 insgesamt die Waage hielten.
Diejenigen, die wahrscheinlich 2009 weniger Geld für Reisen ausgeben würden als 2008, sähen zum einen die Möglichkeit, weniger Urlaubsreisen zu unternehmen. Dies sei die am häufigsten genannte Einsparungsmöglichkeit (40%). Ein gänzlicher Verzicht auf Urlaubsreisen komme für 31% dieser Gruppe in Frage. Einsparungen am Urlaubsbudget seien aber auch ohne Reiseverzicht zum Beispiel durch die Wahl einer preisgünstigeren Unterkunft oder eines günstigeren Reiseziels oder auch durch die Suche nach Sonderangeboten möglich. An diese Optionen dächten 35% bzw. 37% der Befragten. Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis werde daher für diese Befragten vermutlich 2009 noch wichtiger sein als in vorherigen Jahren.
Reiseziele
Die wichtigsten Urlaubsziele der Deutschen seien auch 2009 Deutschland (mit über 30% weit vorne auf dem ersten Platz), Spanien, Italien, die Türkei und Österreich (zusammen knapp zwei Drittel aller Urlaubsreisen). Viele dieser "Klassiker" müssten sich aber einem deutlichen Strukturwandel bei ihren Gästen anpassen, z.B. die wachsende Bedeutung älterer Gäste. Dynamik gebe es vor allem bei den nach Marktanteilen kleineren Zielen. Wachstumstendenzen und -chancen zeigten sich hier für den Osten Europas, aber auch wieder für die Fernreisen. Langfristig (im Vergleich 1998 zu 2008) wachse das Interesse an fast allen Urlaubzielen. Das zeige eine hohe Flexibilität auf der Kundenseite, die eine wachsende Konkurrenz bei den Destinationen zur Folge habe. Überdurchschnittliches Interessenwachstum gebe es z.B. für Norwegen, Bulgarien, Polen, Rumänien und Südostasien. Das Interesse werde aber nicht automatisch in Reisen umgesetzt, auch diese Ziele müssten sich gegen eine globale Konkurrenz behaupten.
Ost und West
2009 jährt sich zum 20. Mal der Fall der Berliner Mauer. Seit dieser überraschenden Wende finden die Unterschiede zwischen den neuen und alten Bundesländern viel Aufmerksamkeit. Touristisch gesehen gab es vor zwei Jahrzehnten vor allem Differenzen bei den Reisemotiven (Ostler: Neugier, Erleben; Westler: Ausruhen, Verwöhnen lassen) und den Reisezielen (Ostler: mehr Inland, mehr Osteuropa; Westler: mehr Ausland). Mittlerweile habe sich das eingependelt. Bei den Motiven seien die Differenzen weitgehend verschwunden. Hinsichtlich der Ziele gebe es weiterhin Unterschiede, die man aber im gleichen Ausmaß z.B. zwischen Nord und Süd finde. Die Gründe lägen hier aber eher in der leichten Erreichbarkeit attraktiver Feriengebiete als in der politischen Geschichte.
Ausblick
Ein Nachfragewachstum im Tourismus sei 2009 unwahrscheinlich. Ob es einen nennenswerten Rückgang geben werde, zeige sich erst im ersten Quartal 2009. Eine große Rolle spiele dabei die wirtschaftliche Stimmung und die allgemeine Urlaubslust. Wenn es zu Rückgängen komme, dann eher bei zusätzlichen Urlaubsreisen und Kurzreisen und/oder bei den Ausgaben pro Person und Reise.
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