Internationale Untersuchung zum Standortfaktor Reise- und Tourismusindustrie
Mittwoch, den 05. März 2008 um 00:14 Uhr
Der Report listet in einem Index die 130 untersuchten Staaten nach ihrer Wettbewerbsfähigkeit im Reise- und Tourismussektor auf. Bereits im vergangenen Jahr standen die Schweiz, Österreich und Deutschland an der Spitze. Der Abstand zu den Verfolgern habe sich aber verringert.
Dabei bestimmten der Faktor Umweltschutz sowie eine moderne Verkehrsinfrastruktur in zunehmenden Maß den Wettbewerb im Tourismus- und Reisemarkt. Die deutschsprachigen Länder hätten hier eine Vorbildfunktion. So könnten Nationen, die den Tourismus stärker in nachhaltige Gesamtkonzepte einbinden, im diesjährigen Ranking ihre Position ausbauen.
Einen großen Sprung um neun Plätze im Ranking nach oben verzeichne Schweden, u.a. wegen der verstärkten Umweltanstrengungen. Diese seien ebenfalls in den anderen skandinavischen Ländern für deren gute Position im Index verantwortlich. Darüber hinaus verbesserten sich Brasilien (um 10 Plätze) sowie die beiden Mittelmeerländer Spanien (10 Plätze) und Italien (5 Plätze). Weiter nach vorne arbeiten konnten sich aber auch andere beliebte südeuropäische Urlaubsdestinationen wie Portugal (7 Plätze) und Griechenland (5 Plätze).
Reise- und Touristiksektor Treiber von regulatorischen Veränderungen
Ein weiteres Ergebnis des Reports: Der Reise- und Tourismus-Sektor ist ein wesentlicher Wohlstandstreiber für aufstrebende Länder wie China oder Südafrika. Diese Nationen hätten durch eine förderliche Gesetzgebung ihre entsprechende Wettbewerbsfähigkeit maßgeblich gesteigert. Markante Verbesserungen im Ranking gelangen China, das in diesem Jahr die Olympischen Spiele veranstaltet, durch regulatorische Anpassungen und Infrastrukturmaßnahmen (Platz 62 nach Platz 71 im vergangenen Jahr). Auch Südafrika, der erste Ausrichter der Fußballweltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent im Jahr 2010, konnte Plätze gut machen (Platz 60 nach Platz 62 im vergangenen Jahr).
Länder mit langfristiger Umwelt-Agenda liegen vorn
Länder, die verstärkt auf Nachhaltigkeit setzten, schnitten im Ranking besonders gut ab. Bulgarien habe beispielsweise Konzepte entwickelt, um Alternativen zum Pauschaltourismus an der Schwarzmeerküste zu bieten. "Die Implementierung von nachhaltigen Umweltstrategien ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren, die den Ausgleich zwischen kurzfristigen ökonomischen Erfolgen und langfristigen ökologischen Zielen herstellt," sagt Jürgen Ringbeck, Partner und Geschäftsführer bei Booz Allen Hamilton. Kunden würden verstärkt "grüne" touristische Dienstleistungen nachfragen. "Die Reise- und Tourismusunternehmen stehen nun vor der Aufgabe, diese Nachfrage zu befriedigen."
EU-Staaten sind beim Tourismus am wettbewerbsfähigsten
Infolge fortschrittlicher Infrastruktur, gesicherter gesetzlicher Rahmenbedingungen sowie eines hohen Ausbildungsstandards schneiden die Industrienationen im Ranking erneut besser ab. Unter den Top 10 der insgesamt 130 Länder des TTCR sind die Europäer mit sieben Plätzen stark vertreten. Neben der Schweiz (1), Österreich (2) und Deutschland (3) sind Spanien (Platz 5), Großbritannien (Platz 6), Schweden (Platz 8) und Frankreich (Platz 10) in der Spitzengruppe. Italien konnte seine schlechte Platzierung aus dem vergangenen Jahr zwar auf Rang 28 im Ranking verbessern. Dennoch liege das beliebte Urlaubsland infolge des hohen Preisniveaus, relativ niedriger Sicherheitsstandards und vor allem wegen des gering ausgeprägten Umweltschutzdenkens im europäischen Vergleich noch hinten.
Vorgehensweise und Präsentation der Studie
Insgesamt wurden weltweit 130 Staaten unter Zuhilfenahme von mehr als 60 Variablen untersucht. Diese berücksichtigten u.a. gesetzliche Regulierungen, Sicherheit und Gesundheit, Infrastruktur, das lokale Preisniveau sowie kulturelle Aspekte. Um dem wachsenden Einfluss des Faktors Umweltschutz auf Tourismus und Reiseverkehr gerecht zu werden, wurde der Index um die Analyse-Punkte "Ökologie und Nachhaltigkeit" erweitert.
Der komplette Report sowie die einzelnen Auswertungen können beim World Economic Forum heruntergeladen werden.
Resultate des TTCR werden auf der ITB in Berlin im Detail vorgestellt. Am 7. März 2008 findet dazu von 15 bis 16 Uhr in Halle 7.1a ein Panel statt. Hier soll anhand vergleichender Länder-Analysen gezeigt werden, welche Faktoren die Wettbewerbsfähigkeit der Länder steigern und welche Business-Entscheidungen daraus abgeleitet werden sollten. Nach der Veranstaltung stehen die Referenten für vertiefende Gespräche zur Verfügung.



